Cloud & KI

OneDrive und Copilot: Was wirklich mit Ihren Dateien passiert

Von Kevin Pabst
IT-Security Expert
Halb geschlossener Windows-Laptop im Dunkeln als Sinnbild für OneDrive-Synchronisierung und Copilot-Zugriff auf Dateien
Bildquelle: Unsplash (Gemeinfrei)

Manche Ordner brauchen keinen Assistenten, sondern eine geschlossene Tür. So arbeitet der Datenputzer Tresor stattdessen

Kaum eine Frage wird im deutschsprachigen Netz so oft gestellt und so selten sauber beantwortet: Sieht Microsofts KI-Assistent meine privaten Unterlagen? Wir haben die offiziellen Microsoft-Seiten gelesen und dabei drei völlig verschiedene Vorgänge gefunden, die im Alltag ständig zu einem einzigen verschmolzen werden.

Die kurze Antwort: Copilot in OneDrive liest nur Dateien, für die Sie Berechtigungen haben, und nur auf Ihre Aufforderung hin. Für Dateien, die Sie selbst in den Copilot-Chat hochladen, gelten andere Regeln: Microsoft speichert sie bis zu 18 Monate und nutzt Unterhaltungen je nach Kontotyp für das Modelltraining. Entscheidend bleibt, dass Microsoft die Schlüssel besitzt.

Auf einen Blick

  • Drei Ebenen, drei Regelwerke: Der Speicher OneDrive, der Assistent Copilot in OneDrive und der freie Copilot-Chat folgen jeweils eigenen Bedingungen.
  • Der Weg in die Cloud beginnt vor der Frage: Bei einer Standardeinrichtung von Windows landen Desktop, Dokumente und Bilder in der Ordnersicherung.
  • 18 Monate sind die Hausnummer: Diese Frist nennt Microsoft sowohl für hochgeladene Dateien als auch für die gespeicherte Unterhaltungsaktivität.
  • Wer nicht wählt, hat gewählt: Bei den verbundenen Erfahrungen in Office gilt laut Microsoft der Vollzugriff, solange Sie die Einstellungen nie öffnen.

Die drei Ebenen, die ständig verwechselt werden

Wenn im Bekanntenkreis über Copilot und OneDrive gesprochen wird, meinen selten zwei Personen dasselbe. Das liegt nicht an mangelndem Interesse, sondern daran, dass Microsoft denselben Markennamen über sehr unterschiedliche Produkte gelegt hat. Für Ihre Privatsphäre ist die Unterscheidung entscheidend, deshalb ziehen wir sie zuerst.

Ebene 1 ist der Speicher. OneDrive ist zunächst nichts weiter als ein Ordner in der Cloud. Hier geht es um die Frage, welche Dateien überhaupt dort ankommen und was Microsoft mit ruhenden Daten tun darf.

Ebene 2 ist der Assistent im Speicher. Copilot in OneDrive ist eine Funktion für Abonnenten, die Dokumente zusammenfasst oder Fragen dazu beantwortet. Sie handelt auf Zuruf und im Rahmen Ihrer Berechtigungen.

Ebene 3 ist der freie Chat. Der Copilot als App, Webseite oder Windows-Begleiter ist ein eigenständiger Dienst. Hier laden Sie Dateien aktiv hoch, und genau hier gelten die weitreichendsten Regeln zu Speicherung und Training.

Wer die Ebenen trennt, kann jede Behauptung aus dem Netz sofort einordnen. Wer sie vermischt, landet entweder bei falscher Sorglosigkeit oder bei unnötiger Panik. Beides ist teuer.

Ebene 1: Wie Ihre Dateien überhaupt nach OneDrive kommen

Bevor irgendein Assistent etwas lesen kann, muss die Datei in der Cloud liegen. Genau dieser Schritt geschieht bei vielen Windows-Rechnern ohne bewusste Entscheidung, und das ist der unterschätzte Teil der ganzen Diskussion.

Die Funktion heißt Ordnersicherung. Sie verschiebt die Standardordner Desktop, Dokumente, Bilder, Musik und Videos in Ihr OneDrive-Konto und hält sie dort synchron. Für Menschen, die noch nie ein Backup gemacht haben, ist das ein echter Gewinn. Der Haken liegt in der Art, wie die Entscheidung zustande kommt.

Das IT-Portal heise online hat den Einrichtungsablauf von Windows 11 im Juni 2024 nachgestellt, nachdem sich Nutzer über eine unbemerkt aktivierte Synchronisierung beschwert hatten. Der wichtigste Fund betrifft die Bedienführung: Die Abfrage zur Ordnersicherung verschwindet nach ungefähr 15 Sekunden von selbst und springt zur nächsten Seite des Assistenten, unabhängig davon, ob etwas angeklickt wurde. Zur Redlichkeit gehört die Einschränkung, die das Portal selbst hinzufügt: Bei einer deutschsprachigen Installation in Deutschland ließ sich eine automatische Aktivierung im Test nicht nachvollziehen. Die Recherche steht im Bericht von heise online zur OneDrive-Synchronisierung bei der Windows-Einrichtung (abgerufen am 1. September 2026).

Für die Praxis ziehen wir daraus eine nüchterne Konsequenz: Verlassen Sie sich nicht auf Ihre Erinnerung an einen Einrichtungsdialog, den Sie vor zwei Jahren in 15 Sekunden weggeklickt haben oder auch nicht. Sehen Sie einfach nach. Microsoft beschreibt den Weg auf seiner Hilfeseite zum Sichern von Ordnern mit OneDrive (abgerufen am 1. September 2026): Wolkensymbol in der Taskleiste anklicken, dann das Zahnrad, dann Einstellungen, dann der Bereich Synchronisierung und Sicherung, dort Sicherung verwalten.

Ein Detail dieser Maske verdient besondere Aufmerksamkeit. Wenn Sie einen Ordner aus der Sicherung nehmen, fragt Windows, wo die Dateien künftig liegen sollen. Die Option, sie nur auf dem PC zu behalten, entfernt sie aus der Cloud. Wer stattdessen die andere Variante wählt, behält alles online. Diese Abfrage wird häufig überlesen, und dann bleibt genau der Datenbestand oben, den man eigentlich herunterholen wollte.

Wenn Sie beim Sortieren feststellen, dass ein Teil dieser Ordner nie in einer fremden Cloud hätte landen sollen: 200 GB verschlüsselten Speicher in Deutschland einrichten und die betroffenen Dokumente dorthin umziehen.

Ebene 2: Was Copilot in OneDrive tatsächlich sehen kann

Kommen wir zum Assistenten selbst. Copilot in OneDrive erscheint als Schaltfläche neben Ihren Dateien und fasst auf Wunsch Dokumente zusammen oder beantwortet Fragen zu deren Inhalt. Microsoft beschreibt die Grenzen dieser Funktion auf einer eigenen Supportseite erfreulich konkret.

Drei Punkte davon sind für die Einordnung wichtig. Erstens die Berechtigungsgrenze: „Copilot kann nur auf Dateien zugreifen, für die Sie über entsprechende Berechtigungen verfügen.“ Der Assistent erweitert Ihre Rechte also nicht, er nutzt sie. Zweitens die Abo-Grenze: Die Funktion ist an ein Microsoft-365-Abonnement oder eine geschäftliche Lizenz gebunden, bei einem Family-Abonnement laut Microsoft sogar nur für den Abonnementinhaber. Ein kostenloses Microsoft-Konto hat diesen Assistenten nicht. Drittens die Formatgrenze: Aufgeführt sind Textformate wie DOC, DOCX, PPTX, XLSX, PDF, TXT oder RTF. Bilder und Videos kann Copilot in OneDrive nach dieser Darstellung derzeit nicht verarbeiten, wobei Microsoft eine Erweiterung ankündigt. Nachlesen können Sie das in den häufig gestellten Fragen zu Copilot in OneDrive (abgerufen am 1. September 2026).

Das ist eine deutlich engere Beschreibung, als viele Schlagzeilen vermuten lassen, und diese Fairness gehört in einen ehrlichen Artikel. Trotzdem bleibt eine technische Tatsache bestehen, die von der Funktionsbeschreibung unberührt ist: Damit ein Assistent ein Dokument zusammenfassen kann, muss dieses Dokument in lesbarer Form vorliegen. Möglich ist das nur, weil Microsoft die Schlüssel zu Ihren OneDrive-Inhalten verwaltet. Ob eine Funktion sie nutzt, entscheidet der Anbieter, nicht die Mathematik. Warum dieser Unterschied zwischen „wird nicht getan“ und „kann nicht getan werden“ der Kern des ganzen Themas ist, haben wir in unserem Beitrag zur Zero-Knowledge-Verschlüsselung bei Cloud-Speichern ausführlich aufgeschlüsselt.

Der Schalter in Word, Excel und PowerPoint, den kaum jemand kennt

Parallel zu Copilot existiert in den Office-Anwendungen eine zweite Kategorie von Funktionen, die Ihre Dokumente auswertet. Microsoft nennt sie „verbundene Erfahrungen, die Ihre Inhalte analysieren“. Dazu zählen laut Dokumentation unter anderem der PowerPoint-Designer, der Übersetzer, die Datenanalyse in Excel, Diktat, Transkription und die Textvorhersagen.

Der aufschlussreichste Satz auf dieser Seite betrifft nicht die Liste, sondern die Voreinstellung. Microsoft schreibt: „Wenn Sie nicht Einstellungen verwalten auswählen, stehen Ihnen alle verbundenen Erfahrungen zur Verfügung.“ Im Klartext heißt das: Wer diese Maske nie geöffnet hat, nutzt den Vollumfang. Den Weg dorthin nennt dieselbe Seite ebenfalls: Office-Anwendung öffnen, dann Datei, Konto, Konto-Datenschutz, Einstellungen verwalten. Auf dem Mac führt der Weg über das Anwendungsmenü, dann Einstellungen, dann Datenschutz. Die vollständige Übersicht steht in der Microsoft-Dokumentation zu den verbundenen Erfahrungen in Office (abgerufen am 1. September 2026).

Genau diese Einstellung war Ende 2024 Auslöser einer Aufregungswelle in sozialen Netzwerken, in der behauptet wurde, Microsoft ziehe darüber heimlich Trainingsdaten aus Word- und Excel-Dateien. Das Unternehmen hat dem ausdrücklich widersprochen und erklärt, Kundendaten aus Microsoft 365 würden nicht für das Training großer Sprachmodelle verwendet, und die Einstellung habe damit nichts zu tun. Die Aussage samt Einordnung dokumentiert der Bericht von BleepingComputer zur Microsoft-Stellungnahme (abgerufen am 1. September 2026). Wir halten das für glaubwürdig und geben es deshalb genau so wieder. Bemerkenswert bleibt trotzdem, wie das Missverständnis entstehen konnte: Eine Funktionskategorie, die wörtlich „Ihre Inhalte analysiert“ heißt und standardmäßig aktiv ist, lädt zu Fehldeutungen geradezu ein.

Kein Assistent kann lesen, was verschlüsselt ankommt.

Im Datenputzer Tresor entsteht Ihr Schlüssel im Browser und bleibt dort. Dateien werden mit AES-GCM (256 Bit) verschlüsselt, bevor sie den Rechner verlassen, gespeichert wird auf deutschen Servern. Es gibt keine Funktion, die Ihre Inhalte auswertet, weil es dafür schlicht keine Grundlage gibt.

Tresor kennenlernen

Ebene 3: Der Unterschied, den fast niemand kennt

Nun zu dem Bereich, in dem die weitreichendsten Regeln gelten und über den am wenigsten gesprochen wird. Gemeint ist der Copilot als eigenständiger Dienst: die App auf dem Smartphone, die Webseite, das Symbol in der Windows-Taskleiste. Sobald Sie dort eine Datei anhängen und um eine Zusammenfassung bitten, verlassen Sie den Bereich des Cloud-Speichers und betreten den eines KI-Chats.

Microsoft beschreibt in seiner Datenschutz-FAQ zu Copilot zwei Fristen. Zu hochgeladenen Dateien heißt es: „Wenn Sie eine Datei mit Copilot teilen (z. B. wenn Sie ein Bild oder Dokument hochladen und Copilot bitten, es zusammenzufassen), wird die Datei bis zu 18 Monate lang sicher gespeichert und dann automatisch gelöscht.“ Zur Unterhaltung selbst steht dort: „Standardmäßig speichern wir die Unterhaltungsaktivität 18 Monate lang.“

Noch aufschlussreicher ist die Liste, in der Microsoft benennt, wessen Daten nicht für das Modelltraining genutzt werden. Aufgeführt sind Nutzer mit einem organisatorischen Entra-ID-Konto, Nutzer von Copilot in Microsoft-365-Apps mit Personal- oder Family-Abonnement, nicht angemeldete Nutzer, Nutzer unter 18 Jahren, Nutzer, die dem Modelltraining widersprochen haben, sowie Nutzer in Brasilien, China (außer Hongkong), Israel, Nigeria, Südkorea und Vietnam. Die vollständige Aufzählung steht in den häufig gestellten Fragen zum Datenschutz für Microsoft Copilot (abgerufen am 1. September 2026).

Lesen Sie diese Liste einmal von hinten. Deutschland, Österreich und die Schweiz stehen nicht darauf. Wer also mit einem kostenlosen Microsoft-Konto im Copilot angemeldet ist, kein Microsoft-365-Abonnement nutzt und den Widerspruch nie erklärt hat, fällt unter keine der sechs Ausnahmen. Das ist keine Unterstellung, sondern schlicht die Logik einer Ausschlussliste. Genauso gehört die andere Seite dazu: Wer Personal oder Family abonniert hat, ist ausdrücklich ausgenommen, und der Widerspruch steht jedem offen.

Den Weg dorthin nennt Microsoft auf der Seite zu den Datenschutzeinstellungen des Assistenten. Im Browser wählen Sie das Profilsymbol, dann Ihren Profilnamen, dann Datenschutz, dort finden Sie die Punkte zum Training auf Unterhaltungsaktivität und zum Training auf Sprachunterhaltungen. In der mobilen App führt der Weg über das Menü, das Profilsymbol, dann Konto und Datenschutz. Wichtig ist die Einschränkung, die Microsoft im selben Atemzug macht: Der Widerspruch betrifft künftige Unterhaltungen und schließt die Verwendung für allgemeine Produktverbesserung, Werbung, digitale Sicherheit und Compliance nicht aus.

Für alles, was gar nicht erst in einen Chatverlauf gehört, gibt es die einfachere Lösung. Zero-Knowledge-Speicher auf deutschen Servern freischalten und Ihre Unterlagen dort ablegen, wo keine Auswertungsfrage entsteht.

Ihre Ebenen-Zuordnung in 60 Sekunden

Diese Zuordnung ersetzt zehn widersprüchliche Forenbeiträge. Beantworten Sie die drei Fragen der Reihe nach, dann wissen Sie, welche Regeln in Ihrem Fall gelten.

Frage 1: Melden Sie sich an Ihrem Windows-PC mit einem Microsoft-Konto an? Falls ja, prüfen Sie Ebene 1. Es ist gut möglich, dass Desktop, Dokumente und Bilder bereits synchronisiert werden. Falls Sie ein lokales Konto nutzen, ist die Ordnersicherung kein Thema für Sie.

Frage 2: Zahlen Sie für Microsoft 365 Single oder Family? Falls ja, existiert Ebene 2 auf Ihrem Konto, der Assistent kann also im Rahmen Ihrer Berechtigungen auf Textdokumente zugreifen. Zugleich gehören Sie laut Microsoft zu den Gruppen, deren Copilot-Daten in den Microsoft-365-Apps nicht für das Modelltraining verwendet werden. Falls nein, gibt es Ebene 2 bei Ihnen gar nicht.

Frage 3: Nutzen Sie den Copilot-Chat mit angemeldetem Microsoft-Konto? Falls ja, sind Sie auf Ebene 3, und die Frist von 18 Monaten sowie die Trainings-Ausschlussliste betreffen Sie unmittelbar. Prüfen Sie den Widerspruchs-Schalter. Falls Sie nie angemeldet sind, nennt Microsoft Sie ausdrücklich als ausgenommene Gruppe.

Drei Schalter, drei Klickpfade, drei ehrliche Grenzen

Es kursieren viele Anleitungen, die Ihnen versprechen, mit einem Häkchen sei die Sache erledigt. Das stimmt nicht. Jeder dieser Schalter löst genau ein Teilproblem, und die Grenze gehört dazu, sonst entsteht ein trügerisches Sicherheitsgefühl.

Schalter 1: Ordnersicherung prüfen. Wolkensymbol in der Taskleiste, Zahnrad, Einstellungen, Synchronisierung und Sicherung, Sicherung verwalten. Was er löst: Er entscheidet, welche Ordner überhaupt in die Cloud wandern. Was er nicht löst: Dateien, die Sie zuvor manuell in OneDrive gelegt haben, bleiben unberührt. Prüfen Sie den Papierkorb Ihres OneDrive-Kontos gleich mit.

Schalter 2: Verbundene Erfahrungen begrenzen. In Word oder Excel auf Datei, Konto, Konto-Datenschutz, Einstellungen verwalten. Was er löst: Er schaltet die inhaltsanalysierenden Komfortfunktionen ab, die sonst standardmäßig verfügbar sind. Was er nicht löst: Er verändert nichts daran, in welchem Zustand Ihre Dateien auf dem Server liegen, und er ist nach Microsofts Darstellung ohnehin keine Trainingsfrage.

Schalter 3: Modelltraining im Copilot widersprechen. Profilsymbol, Profilname, Datenschutz, dann die beiden Trainings-Punkte deaktivieren. Was er löst: Künftige Unterhaltungen fließen nicht mehr in das Training der generativen Modelle. Was er nicht löst: Die Speicherung der Unterhaltungsaktivität endet damit nicht, und Microsoft nennt weitere Zwecke, die vom Widerspruch unberührt bleiben. Löschen Sie den Verlauf zusätzlich manuell.

Diese drei Schalter sind sinnvoll und kosten Sie zusammen zehn Minuten. Sie haben allerdings eine gemeinsame Eigenschaft, die man kennen sollte: Es sind Zusagen über Verhalten. Sie verändern, was ein Anbieter mit lesbaren Daten tut, nicht die Tatsache, dass die Daten lesbar vorliegen. Dieselbe Unterscheidung durchzieht auch die Vertragswerke der großen Anbieter, die wir im AGB-Check von Drive, OneDrive, Dropbox und iCloud Satz für Satz gegenübergestellt haben.

Der Persönliche Tresor in OneDrive: was er leistet und was nicht

An dieser Stelle fragen viele Leser zu Recht nach der Funktion, die Microsoft selbst als besonders geschützten Bereich bewirbt. Der Persönliche Tresor ist ein Ordner in OneDrive, der eine zusätzliche Identitätsprüfung verlangt und sich nach kurzer Inaktivität wieder verriegelt. Microsoft nennt dafür 20 Minuten in der Webansicht und 3 Minuten auf Mobilgeräten. Ohne Microsoft-365-Abonnement können Sie dort maximal drei Dateien ablegen. Die Angaben stehen auf der Microsoft-Hilfeseite zum Persönlichen Tresor in OneDrive (abgerufen am 1. September 2026).

Das ist eine sinnvolle Funktion, und wer sie nutzt, macht nichts falsch. Man sollte nur wissen, welche Art von Schutz sie darstellt. Ein Bild dazu: Der Persönliche Tresor ist ein zusätzliches Schloss an einer Zimmertür innerhalb eines Hauses, dessen Hausmeister weiterhin den Generalschlüssel führt. Er erschwert den Zugriff durch andere Personen an Ihrem Gerät und durch jemanden, der Ihr Konto übernimmt. Er nimmt dem Anbieter jedoch nicht die Fähigkeit, den Inhalt lesbar zu machen, und genau das behauptet Microsoft auf dieser Seite auch nicht.

Der Unterschied zu clientseitiger Verschlüsselung ist kein gradueller, sondern ein grundsätzlicher. Zugriffsschutz regelt, wer die Tür öffnen darf. Verschlüsselung regelt, ob hinter der Tür überhaupt etwas Lesbares liegt. Für den Rest dieser Betrachtung lohnt außerdem der Blick auf die Rechtslage: Warum die Frage nach dem Rechenzentrum die Zugriffsfrage nicht beantwortet, haben wir im Beitrag zum CLOUD Act und deutschen Rechenzentren auseinandergenommen.

Die Ordner-Ampel: Was darf synchronisiert werden?

Die pauschale Empfehlung „Schalten Sie OneDrive einfach ab“ ist bequem, aber schlecht. Sie kostet Menschen ihr einziges funktionierendes Backup. Sinnvoller ist eine Sortierung nach Schadenspotenzial. Diese Ampel hat sich in Beratungsgesprächen bewährt, weil sie in zwei Minuten anwendbar ist.

Grün, unbedenklich synchronisieren: Urlaubsfotos ohne Personenbezug zu Dritten, Bedienungsanleitungen, Musik, Spielstände, Bewerbungsvorlagen ohne Anschreiben, alles, was Sie auch einem Bekannten zeigen würden. Hier überwiegt der Komfort deutlich, und der Verlust wäre ärgerlicher als die Offenlegung.

Gelb, nur bewusst und getrennt: Steuerbelege, Verträge, Kontoauszüge, Zeugnisse, Fotos von Familienangehörigen, Scans von Behördenpost. Diese Unterlagen sind nicht geheim, aber sie sind ein Bausatz für Identitätsmissbrauch, wenn sie in falsche Hände geraten. Legen Sie diese Dateien nicht im automatisch synchronisierten Dokumenten-Ordner ab, sondern in einem gesonderten Verzeichnis, dessen Ziel Sie selbst bestimmen.

Rot, gehört in verschlüsselten Speicher: Ausweiskopien, Arztbriefe und Diagnosen, Gehaltsabrechnungen, Vollmachten, Testamente, Passwortlisten, Wiederherstellungscodes, Unterlagen zu Sorgerecht oder Scheidung, geschäftliche Verschwiegenheitsdokumente. Für diese Kategorie ist jede Diskussion über Nutzungsbedingungen und Assistentenfunktionen der falsche Ansatz. Hier zählt nur, ob der Anbieter den Inhalt technisch lesen kann.

Eine praktische Faustregel für Zweifelsfälle: Stellen Sie sich vor, die Datei würde morgen versehentlich in einer Suchmaschine auftauchen. Wenn Ihnen bei der Vorstellung unwohl wird, gehört sie mindestens in Gelb. Wenn Sie sich vorstellen müssten, wie Sie das jemandem erklären, gehört sie in Rot.

Frage Datenputzer Tresor OneDrive mit Copilot
Wo wird verschlüsselt? Im Browser, vor dem Upload Auf dem Übertragungsweg und beim Anbieter, mit dessen Schlüsselverwaltung
Kann eine KI-Funktion Inhalte lesen? Nein, auf dem Server liegt nur Chiffretext Ja, im Rahmen Ihrer Berechtigungen und der jeweiligen Funktion
Sind Dateinamen sichtbar? Nein, sie liegen verschlüsselt im Änderungsjournal Ja, Namen und Ordnerstruktur sind für den Dienst lesbar
Was schützt Sie? Ein Schlüssel, den nur Sie besitzen Einstellungen, Zusagen und Vertragstexte
Was kostet das? Kein Assistent, keine Volltextsuche über Inhalte, Verlust bei Verlust von Passwort und Recovery-Phrase Komfortfunktionen bleiben, dafür bleibt der Inhalt beim Anbieter lesbar

Wie der Datenputzer Tresor diese Frage überflüssig macht

Beginnen wir mit dem Verzicht, denn er gehört zur Wahrheit. Der Datenputzer Tresor hat keinen Assistenten, keine Volltextsuche über Dateiinhalte und keine automatische Bilderkennung. Das ist keine fehlende Ausbaustufe, sondern die logische Folge der Architektur. Eine Funktion, die Inhalte auswertet, setzt lesbare Inhalte voraus, und die gibt es auf unserer Seite nicht.

Technisch sieht das so aus: Beim ersten Einrichten würfelt Ihr Browser 32 zufällige Bytes als Master-Schlüssel. Aus Ihrem Passwort wird lokal ein Schlüssel abgeleitet, der diesen Master-Schlüssel in einer verschlüsselten Hülle versiegelt. Dateien werden in Blöcken mit AES-GCM (256 Bit) verschlüsselt, bevor das erste Byte den Rechner verlässt. Gespeichert wird auf deutschen Servern, es gilt europäisches Datenschutzrecht. Auf dem Server liegen Chiffretext und technische Hüllen, keine lesbaren Inhalte und keine Klartext-Dateinamen. Nachvollziehen können Sie den Ablauf in der öffentlichen technischen Dokumentation und im Netzwerk-Tab Ihres eigenen Browsers.

Die Kehrseite benennen wir genauso deutlich, weil sie untrennbar dazugehört: Ihr Zugang hängt an Ihrem Passwort und an einer 12-Wörter-Wiederherstellungsphrase. Kommen beide abhanden, sind die Dateien endgültig verloren, auch für uns. Ebenso ehrlich: Betriebsdaten wie Dateigrößen, Zeitstempel und Speicherbelegung bleiben für uns sichtbar, sonst ließe sich kein Konto führen. Und solange Ihr Tresor im Browser entsperrt ist, könnte Schadsoftware auf demselben Rechner theoretisch mitlesen. Wer diese drei Punkte kennt, trifft eine informierte Entscheidung statt einer geglaubten.

Der praktische Umgang, den wir empfehlen, ist deshalb kein Entweder-oder. Lassen Sie die grünen Ordner ruhig in OneDrive, dort erfüllen sie ihren Zweck als Backup. Verlegen Sie die roten. Für diese Dateien beantwortet der Datenputzer Tresor die Frage nach Assistenten, Trainingslisten und Aufbewahrungsfristen auf einen Schlag, weil sie sich nicht mehr stellt.

Häufige Fragen

Liest Copilot meine OneDrive-Dateien mit?

Copilot in OneDrive greift laut Microsofts Supportseite nur auf Dateien zu, für die Sie Berechtigungen besitzen, und arbeitet auf Ihre Aufforderung hin. Die Funktion setzt ein Microsoft-365-Abonnement voraus und deckt derzeit Textdokumente ab, keine Bilder und keine Videos. Technisch möglich ist der Zugriff, weil Microsoft die Schlüssel zu Ihren OneDrive-Dateien verwaltet.

Nutzt Microsoft meine Dateien für das KI-Training?

Microsoft nennt in seiner Datenschutz-FAQ zu Copilot sechs Gruppen, deren Daten nicht für das Modelltraining verwendet werden, darunter Nutzer mit Personal- oder Family-Abonnement, nicht angemeldete Nutzer und alle, die dem Training widersprochen haben. Wer mit einem kostenlosen Microsoft-Konto im Copilot-Chat angemeldet ist und nie widersprochen hat, fällt unter keine dieser Ausnahmen.

Wie lange speichert Microsoft Dateien, die ich in Copilot hochlade?

Laut Datenschutz-FAQ wird eine mit Copilot geteilte Datei bis zu 18 Monate lang gespeichert und dann automatisch gelöscht. Für die Unterhaltungsaktivität nennt Microsoft dieselbe Standardfrist. Einzelne Unterhaltungen oder den gesamten Verlauf können Sie jederzeit selbst löschen, was wir zusätzlich zum Trainings-Widerspruch empfehlen.

Ihre Dateien. Ihr Schlüssel. Punkt.

Sie kennen jetzt die drei Ebenen und die drei Schalter. Für die Unterlagen, bei denen Ihnen kein Schalter reichen würde, gibt es den Datenputzer Tresor: verschlüsselt auf Ihrem Gerät, abgelegt in Deutschland, aufsperrbar nur von Ihnen.

Zero-Knowledge-verschlüsselt, deutsche Server & jederzeit kündbar

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